Wenn ich eine Bildserie als Begleitung zu einer Sonorausstellung entwickle, beginne ich nicht mit der Kamera, sondern mit dem Hören. Der Klangraum legt oft die erste Gestalt vor: seine Textur, seine Wiederholungen, seine Pausen. Aus diesen Qualitäten lassen sich visuelle Motive ableiten, die als verbindendes Gerüst durch eine Serie tragen. Im Folgenden teile ich sechs Motive, die sich bei meinen Projekten immer wieder bewährt haben — mit praktischen Hinweisen, visuellen Ideen und kleinen Übungen, die du sofort ausprobieren kannst.
Resonanzflächen
Resonanzflächen sind für mich jene Bildmotive, die Schall aufnehmen oder sichtbar machen könnten: Wasserflächen, Metallplatten, Fenster, alte Lautsprecher, Holzstrukturen. Visuell steht hier die Idee im Zentrum, dass der Klang irgendwo ankommt und sich verändert.
Wie ich das umsetze:
Praktische Übung: Nimm dieselbe Oberfläche bei drei verschiedenen Lichtverhältnissen auf (morgens, mittags, abends) und höre dabei eine Loop deiner Ausstellung — vergleiche, welche Lichtstimmung am besten mit dem Klang harmoniert.
Schichten und Transparenzen
Klang entsteht oft aus Lagen: mehrere Spuren, Fieldrecordings, elektronische Texturen. Dieses Schichtprinzip übersetze ich gern in Bilder durch Transparenzen und Überlagerungen.
Techniken:
Ich nutze manchmal auch analoge Methoden: eine Polaroid-Überblendung oder das Auflegen feiner Gewebe auf den Filmscanner geben eine sinnliche Dichte, die perfekt zu mehrlagigen Klangstücken passt.
Rhythmische Wiederholungen
Rhythmus im Bild kann ein visueller Pulsschlag sein — wiederkehrende Formen, Muster oder Serien von Objekten, die das Hören in eine Sehtradition übersetzen.
Ein Trick: Drucke kleine Serien als Kontaktbögen und ordne sie wie musikalische Noten — das hilft bei der Auswahl und der späteren Hängung.
Leerstellen und Stille
Stille ist Bestandteil von Klangkunst. Visuell übersetze ich Stille in Einfachheit, Negative Space und reduziertes Bildmaterial. Diese Leerstellen geben dem Betrachter Pausen und lassen Raum für die eigene Imagination.
Bei Ausstellungen platziere ich diese Bilder oft am Anfang oder zwischen intensiven Klanginstallationen, damit die betörende Wirkung der Stille spürbar wird.
Materialität und Found Sound
Wenn ich mit Found Sound arbeite, ergeben sich oft Motivideen direkt aus dem Objekt, das den Klang liefert: rostige Schlüssel, zerfetzte Papierstücke, alte Kassetten. Die Materialität wird zum visuellen Echo des hörbaren Fundstücks.
Bei einem Projekt mit Fieldrecordings aus einer verlassenen Fabrik hatte ich z. B. Ölspuren, Bolzen und abgeplatzte Farbe als wiederkehrende visuelle Elemente verwendet — das machte die Verbindung zwischen Tonquelle und Bild unmittelbar.
Bewegung und Zeit
Klang entfaltet sich über Zeit — dieses Moment-arbeit-Element versuche ich durch Bewegungsunschärfe, Sequenzen und „zerlegte“ Zeit darzustellen.
Technisch: Nutze eine Kamera mit Bulb-Modus oder Serienbildfunktion; für Loops sind kleine Displays wie Raspberry Pi mit TFT-Displays oder ein iPad praktisch und zugänglich.
Ein paar generelle Hinweise aus meiner Praxis:
Zum Schluss eine kleine Übung, die ich oft benutze, wenn ich eine Serie konzipiere: Ich setze mir eine Zehn-Minuten-Session mit einem fixen Song oder einer Fieldaufnahme und mache während des Hörens 20 schnelle Polaroids oder digitale Schnappschüsse. Danach sortiere ich ohne große Bearbeitung drei Favoriten aus — diese Rohaufnahmen bilden dann die Keimzelle für die Serie.